Angriff auf Tagebaukritiker in Neustadt/Spree / Kagelmann: Solidarität statt Augen zu – Konflikte respektvoll austragen!

Zum körperlichen Angriff auf ein Mitglied der „Spinnerei vom nachhaltigen Leben e.V.“ in Neustadt/Oberlausitz erklärt Kathrin Kagelmann, Lausitzer Abgeordnete der Linksfraktion im Sächsischen Landtag und Vereinsmitglied:
Man kennt die alten Geschichten von Zugezogenen, die Jahrzehnte brauchten, um endlich in eine gewachsene dörfliche Gemeinschaft aufgenommen zu werden. Aber zwischen Fremdeln mit Neuen und Neuem und Sachbeschädigungen, verbalen Entgleisungen und aktuell körperlichen Attacken besteht ein erheblicher Unterschied.
Wer solchen zwischenmenschlichen Grenzüberschreitungen Einzelner tatenlos zusieht, macht sich gemein mit den Angreifern und nutzt den Nachbarschaftsstreit, um sein eigenes Mütchen zu kühlen. Es ist kein Geheimnis, dass der Verein, dessen Akteure 2010 ein abseits vom Dorf gelegenes Gelände mit einer halb verfallenen Holzwollspinnerei kauften, um es in ein naturnahes Kultur- und Bildungszentrum zu verwandeln, in der regionalen kohlekritischen Umweltbewegung aktiv ist. In der Bürgerinitiative „Strukturwandel Jetzt – Kein Nochten II“ kämpfen Vereinsmitglieder seit Jahren gegen die Tagebauerweiterung und die Langfristfolgen des Kohleabbaus in der Region. Jetzt wollen einige dafür auch im Gemeinderat streiten. Ein Engagement, dass bei manchem Lausitzer alles andere als gut ankommt – besonders, wenn man beim Bergbautreibenden beschäftigt war oder ist oder als Gemeinde von Zuwendungen profitieren konnte. 
Deshalb geht es hier um weit mehr als einen peinlichen Nachbarschaftsstreit. Es geht darum, wie es der im Strukturwandel befindlichen Region gelingt, einen gesellschaftlichen Konflikt respektvoll auszutragen und verschiedene Standpunkte produktiv zu machen. Dann könnten beide Seiten gewinnen. Mit der Unterstützung der Gemeinde könnte eine Industriebrache mit Strukturwandelgeldern zu einem neuen kulturellen Kleinod ausgebaut werden, von dem die gesamte Gemeinde profitiert. Schließlich handelt es sich bei den Zugezogenen um junge Leute und zudem um kreative Köpfe, die in unserer von Abwanderung und Überalterung gebeutelten Gegend dringend gebraucht werden.
Dazu muss man zuerst eigene Vorbehalte abbauen. Kommunale Verantwortungsträger, die die veränderte energiepolitische Großwetterlage verkennen und die Chancen innovativer Strukturwandelprojekte ignorieren, blockieren rückwärtsgewandt Gemeindeentwicklung und verschenken im Extremfall bares Geld. Daran sollte man denken, wenn man zur Kommunalwahl sein Kreuzchen macht.