Rede zum Bericht der Sächsischen Staatsregierung über den Waldzustand 2018

Rede von MdL Kathrin Kagelmann im Sächsischen Landtag zum Bericht der Sächsischen Staatsregierung über den Waldzustand 2018 – 14. März 2019.
(Unterrichtung SMUL 28.12.2018 Drs 6/16241)

Sehr geehrter Herr Präsident, werte Damen und Herren Abgeordnete,

Schlimmer geht´s immer!  Das ist schon ziemlich erschreckend, was da im zurückliegenden Extremjahr im Wald passiert ist: So fühlt sich Klimawandel an, so sieht er aus – der Klimawandel, den es für manche Abgeordnete ja entweder überhaupt nicht gibt oder den andere gern als normalen Ausdruck von bekannten erdgeschichtlichen Heiß-/Kaltzeit-Schwankungen definieren. Egal, wer sich hier wie seine Erklärungen zurechtbastelt – selbst als Schwankungen sind die jedenfalls jetzt schon ziemlich teuer.

Und ein Ende scheint nicht absehbar. Sturmtief Eberhard lässt grüßen.

Die zu erwartenden Tendenzen für die Zukunft sind im Waldzustandsbericht nachzulesen: die extremen Witterungsereignisse nehmen zu, die Durchschnittstemperaturen steigen, die jahreszeitliche Verteilung der Niederschläge verändert sich – in der Vegetationsperiode regnet es weniger, die Niederschläge werden intensiver.

Schäden mit mehr als 200.000 m³ Schadholz sind mittlerweile ein „Normalfall“ geworden heißt es u.a. im aktuellen Waldzustandsbericht. Die Sturmereignisse der Jahre 2007 und 2018 warfen jeweils rund 2 Mio. m³ Schadholz zu Boden.

 Zum Vergleich: der Immissionsbedingte Schadholzanfall in den Jahren 1968 bis 1988 bewegte sich maximal bei einer damals unglaublichen Menge von einer halben Mio. m³ – im Durchschnitt waren es rund 160.000 m³ pro Jahr.

Besonders dramatisch: Die zurückliegenden vier Trockenjahre in einem Jahrzehnt schädigen nicht nur die besonders anfälligen Forstkulturen, sondern auch ältere Bäume in immer stärkerem Umfang.

Darauf verweist der mittlere Nadel- und Blattverlust von extremen 21 Prozent im Jahr 2018, der erstmals landesweit sichtbar wurde.

Insofern ist der Handlungsauftrag eindeutig: Lassen Sie uns die Klimaschutzanstrengungen deutlich intensivieren – und zwar in allen Sektoren der Wirtschaft – angefangen beim Verkehr, über die Landwirtschaft, die Industrie bis zur Energieerzeugung.

Und natürlich muss der Waldumbau vorangetrieben werden. Aber – und jetzt schlage ich den Bogen zum Forstbericht, der ja die wirtschaftliche und strukturelle Entwicklung in den Blick nimmt und insofern eher im Parlament diskutiert gehörte:

Dieser Waldumbau muss mit Augenmaß erfolgen – ohne hektische Betriebsamkeit vorzutäuschen. Gewinnerwartungen eines Staatsbetriebes können da nicht dauerhaft steigen, im Gegenteil. Staatswald hat in dieser Situation eine besondere Gemeinwohlverpflichtung gegenüber dem privaten und kommunalen Waldbesitz wahrzunehmen, damit stabile, klimawandelfeste Wälder über alle Eigentumsformen entstehen. Gemeinwohlleistung aber kostet!

Ich sehe daher die langfristige Personalentwicklung im Staatsbetrieb auch kritisch, denn nach den Antworten auf unsere Große Anfrage zum SBS aus dem Jahr 2018 stehen dem tendenziellen Aufwuchs bei mittleren und höheren Beamtenstellen sinkende Planstellen bei Waldarbeitern gegenüber.

Und dem folgt dann die moderne Waldbaustrategie – keine Zäune, wenig Wild – wie in der Pressekonferenz zum Waldzustandsbericht betont wurde – und vermehrte Auftragsvergaben an externe Dienstleister.

Eigene Schutzmaßnahmen und eigene Waldarbeiter sind nämlich arbeits- und kostenintensiv, während Fremdvergaben preiswerter kommen. Dass darüber dem sog. freien Markt gerade nach Sturmereignissen zusätzlich Ressourcen entzogen werden und somit besonders kleinere Waldbesitzer das Nachsehen haben, wird offenbar in Kauf genommen.

Diese Sichtweise aber ist eine vordergründig forstbetriebswirtschaftliche und eben keine gesamtgesellschaftliche, die die Interessen des Natur- und Artenschutzes genauso vernachlässigt wie die besondere Gemeinwohlverpflichtung eines Staatsbetriebes.

Es ist diese Haltung – als Mitglied des Petitionsausschusses verrate ich da kein Geheimnis – die bis in die Gegenwart regelmäßig zu Konflikten mit verschiedenen Waldnutzern führt.

Ich dagegen erwarte von einem Staatsbetrieb, dass er sich seiner Vorbildwirkung bewusst stellt. Und: Ich erwarte sowohl von der Staatsregierung und dem Staatsbetrieb Sachsenforst mehr statt weniger Engagement bei der – zugegeben häufig schwierigen – Konsenssuche mit Akteuren im Wald. Aber Reden ist in diesem Fall nicht Silber, sondern Gold!