Schießen hilft niemandem – Weidetierprämie und vereinfachte Entschädigung wirken wirklich

Anlässlich der Landtagsdebatte, am 7. November 2018, über den Antrag der Koalitionsfraktionen von CDU und SPD zur Änderung des Umgangs mit dem Wolf erklärt Kathrin Kagelmann, Abgeordnete der Linksfraktion aus der Lausitz:
Toleranz scheint Mangelware zu sein in der aktuellen Zeit – in jeder Hinsicht. Forderungen nach „wolfsfreien Zonen“ sind trauriger Beleg dafür. Dabei brauchen wir Menschen sie dringend beim Neuerlernen des Zusammenlebens mit dem Wolf oder mit dem Luchs, oder mit dem Kormoran, denn wir müssen Kompromisse eingehen und lange gewohnte Verhaltensweisen ändern. Das macht eine Annäherung konfliktreich, und die Kompromisse verursachen Kosten. Manche Menschen sind dazu heute noch nicht bereit, einige – wie die Weidetierhalter – sind dazu wirtschaftlich ohne Hilfe nicht in der Lage.
Eine simple Tatsache ist in jedem Fall anzuerkennen: Schießen hilft beiden nicht! Der Wolf wird bleiben – nach allem, was Recht ist. Ich denke auch, dass die Anpassung des Bundesnaturschutzgesetzes an Artikel 16 der FFH-Richtlinie nicht das ermöglicht, was gern damit verbunden wird: nämlich eine reguläre Bejagung, schon gar keine wolfsfreien Zonen.
Augenfällig ist doch in der gesamten Debatte, die aktuell vor allem von Sachsen aus im Bundesrat geführt wird, dass sich mit den jüngsten politischen Aktivitäten vordergründig auf Maßnahmen für weniger Wolf und nicht für mehr Konfliktmanagement konzentriert wird. Letztlich will man endlich schießen dürfen – regelmäßig und ohne große Diskussionen. Eigentlich sollte es doch zuerst um mehr Weidehaltung gehen.
Ziemlich geräuscharm wurde erst im Sommer im Bundestag ein Antrag von LINKEN und Grünen zur Einführung der Weidetierprämie abgeschmettert. Diese sogenannte gekoppelte Prämie ist das aus meiner Sicht wirkungsvollste Instrument zur Förderung einer naturverträglichen Weidewirtschaft, zudem erprobt und in 22 EU-Ländern Praxis. Die Schafhaltung in Deutschland und Sachsen ist seit vielen Jahren stark rückläufig, und diese Entwicklung hat wenig bis nichts mit dem Wolf zu tun hat, sondern mit Marktbedingungen für die Produkte Wolle und Fleisch.
Natürlich muss das Wolfsmanagement beständig weiterentwickelt werden, Entschädigungsverfahren vereinfacht werden. Deshalb ist der Koalitionsantrag für uns teilweise zustimmungsfähig.
Mehr aber nicht.