Kreistag sollte sich für höhere Förderung der Weidetierhaltung stark machen!

Ein Spaziergang im Park einer beliebigen Stadt dürfte potentiell gefährlicher sein als Pilze suchen in Wolfsgebieten, denn die Wahrscheinlichkeit, auf einen nicht angeleinten, schlecht erzogenen Hund zu stoßen, ist bei rund 340 000 Hunden in sächsischen Haushalten im Park um ein Vielfaches größer. Immerhin gibt es in diesem Jahr bereits drei Todesopfer aufgrund von Hundeattacken zu beklagen, darunter ein Baby, zehntausende Menschen werden jährlich bisweilen schwer verletzt. Äußerst gefährlich kann auch eine Begegnung mit einem Wildschwein sein. Nun gibt es erheblich mehr Hunde oder Wildschweine im Land, aber trotz regelmäßiger Vorfälle keine um sich greifende Panik. Anders beim Wolf. Offenbar werden bei diesem Raubtier archaische Urinstinkte angesprochen, gegen die selbst die seriöseste Statistik nicht ankommen kann. Und den uralten Ängsten folgen uralte Lösungsstrategien. Schießen. So hat man das „Problem“ vor 150 schon einmal gelöst, so hat man das danach bis 1990 gehalten, so kann man das wieder klären. Vielleicht sind wir Menschen aber inzwischen klüger geworden und finden eine bessere Lösung für die wirklichen Mensch-Wolf-Konflikte als eine kreisweite „wolfsfreie Zone“ wie sie die AfD fordert, die in der Konsequenz eben doch wieder auf Ausrottung hinausläuft. Aber auf öffentlichen Stimmungen reitet es sich eben wirkungsvoller, als in geschlossenen Ausschüssen an der Sache zu diskutieren. Die mehrheitliche Zurückverweisung des Antrages durch die Kreisräte war insofern nicht nur sachlich geboten, eine vorherige Befassung in einem Ausschuss ist im Übrigen auch sonst Normalität im Kreistag. Außerdem: „Problemwölfe“ wurden bereits nach aktueller Regelung des Managementplanes „entnommen“, sprich geschossen. Die Rechtslage dazu ist klar, dazu muss sich kein Kreistag verständigen. Wer allerdings ein tatsächliches Problem mit dem Wolf hat, sind die gewerblichen (!) Weidetierhalter und da besonders die Schäfer, die seit vielen Jahren weder mit Fleisch noch mit Wolle auf ihre Kosten kommen und schon gar nicht für ihre wichtige Landschaftspflegeaufgabe angemessen entschädigt werden. Deshalb sinken die Zahlen der gehaltenen Schafe in der gesamten Bundesrepublik seit vielen Jahren kontinuierlich, lange schon vor der Ankunft des Wolfes in der Oberlausitz. Den Niedergang der Berufsschäferei beschleunigte ganz dramatisch die Abschaffung der sog. EU-Mutterschafprämie im Jahr 2005 in Deutschland. Erst im Sommer 2018 wurde im Bundestag ihre Wiedereinführung als qualifizierte neue Weidetierprämie durch die Regierungsparteien CDU und SPD abgelehnt – und das, obwohl sie in der Mehrheit der EU-Länder funktioniert. Nun wird in Sachsen und anderswo Herdenschutz durchaus aus Landesmitteln gefördert, bei Wolfsrissen wird entschädigt. Aber gerade die zusätzlichen Aufwendungen an Material, Arbeitsaufwand oder für Herdenschutzhunde bekommen die Schäfer nicht erstattet. Das alles ist der Grund, warum der Frust von Weidetierhaltern gerade überkocht. Dafür habe ich Verständnis. Aber selbst, wenn der Wolf irgendwann bejagt wird: Das ändert wenig an der Situation der Weidetierhalter. Weder steigt dadurch der Preis für Wolle und Fleisch, noch können sie auf den Schutz für ihre Tiere verzichten. Deshalb braucht es die Weidetierprämie, bessere Entschädigungen für Wolfsrisse und höheren Aufwendungsersatz. Dafür sollte sich der Kreistag stark machen!

Kathrin Kagelmann
MdL/Kreisrätin Die LINKE.