Sommertour 2018 – Hitze und Trockenheit hinterlassen ihre Spuren in Land- und Fischereiwirtschaft

Während in diesen Tagen die Lausitz bei Temperaturen über 30°C schwitzt, begab sich Kathrin Kagelmann als Sprecherin für ländliche Räume der Linksfraktion im Sächsischen Landtag am 6. und 7. August auf ihre Sommertour. Sie wurde von Antonia Mertsching aus Dresden begleitet, die sich künftig im Landkreis Görlitz politisch betätigen möchte, um sich über die aktuellen Probleme zu informieren. Ein heftig diskutiertes Thema z. Zt. ist die Frage, wie der Strukturwandel in der Lausitz, d. h. die Zukunft nach dem Ausstieg aus der Braunkohleverstromung aussehen kann und wer gestaltende Akteure sind. Bei genauem Hinsehen fällt auf, dass es bereits jetzt jenseits von Verwaltung und neu geschaffenen Strukturen, die sich um Fördermillionen streiten, hoffnungsvolle Aktivitäten gibt.
Deshalb war die erste Station der Verein „Eine Spinnerei – vom nachhaltigen Leben, Natur- und Kulturangebote“ in Neustadt/Spree. Hier haben sich junge Leute aufgemacht, Angebote für andere Lebensweisen zu probieren und weitgehend im Einklang mit Natur und Umwelt zu leben. In logischer Konsequenz kamen sie mit den Plänen von Vattenfall, den Tagebau Nochten um das Feld II zu erweitern, in Konflikt, denn in dessen Folge wäre ihr Projekt zum Scheitern verdammt gewesen. Nicht nur durch ihr Engagement ist der Tagebau Nochten II (hoffentlich für immer) Geschichte. Um jungen Menschen eine vielfältige Schullandschaft zu bieten, wollen sie in Weißwasser eine alternative Grundschule gründen, was aber nicht auf das Wohlwollen der Schulbehörde trifft. Es bleibt also spannend, ob das Projekt von Erfolg gekrönt sein wird.
Die zweite Station war das Kontaktbüro „Wölfe in Sachsen“ in Rietschen. Dort informierten die Mitarbeiter*innen über den aktuellen Stand der Wolfspopulation in Sachsen, die Konfliktlinien mit der Bevölkerung und wie ein entspanntes Nebeneinander gelingen kann.
Besonders spannend war am Nachmittag die Besichtigung der Fischzucht Rietschen GmbH in Hammerstadt. Dort zeigte sich das ganze Ausmaß der diesjährigen Hitze und Trockenheit. Einige Teiche sind bereits trocken, in anderen fehlt ca. 1 m Wasser. Durch Umsetzen in andere Teiche versucht Herr Tusche, seine Fische zu retten. Von diesen Witterungsunbilden unabhängig funktioniert die Kreislaufanlage, in der sozusagen unter Dach in riesigen Bottichen Zander gezüchtet werden. Die Abwässer der Anlage laufen durch eine Biokläranlage und produzieren nebenbei Deckmaterial mit Pflanzen für den Wasserbau. Dieser Betrieb gehört zu den regionalen Produzenten von Lebensmitteln, die neben den großen Playern viel zu wenig Beachtung bekommen, aber wichtige Arbeits- und Ausbildungplätze bereitstellen.
Am Abend fand in Weißwasser eine Veranstaltung unter dem Titel „Komm, wir kaufen uns eine andere Welt“ statt. Antonia Mertsching, die als Koordinatorin beim Entwicklungspolitischen Netzwerk Sachsen e. V. arbeitet, zeigte in ihrem Einführungsbeitrag auf, welche Macht der/die Verbraucher*in am Ladentisch und der Kasse hat. Es ist eben nicht egal, ob man oder frau im Supermarkt Produkte aus Übersee kauft oder z. B. den Fisch vom Fischer Tusche in Rietschen. Es entspann sich eine lebhafte Diskussion, ob es wirklich möglich ist, in einer kapitalistischen Gesellschaft, deren Grundprinzip Profitmaximierung ist, durch das Verhalten Einzelner die Welt zu verbessern. Fazit: Ja, es ist möglich seinen eigenen Konsum zu steuern, aber erst eine andere Gesellschaftsordnung wäre in das Lage, die Situation grundsätzlich zu ändern.
Am 2. Tag war der erste Termin im Stadtgut Görlitz. Dieser Betrieb ist in der Region bekannt, da die Bio-Eier aus Görlitz in vielen Geschäften liegen. Hier wird Wert auf Kreislaufproduktion in Bio-Qualität gelegt: das Getreide für die Hühner wird selbst erzeugt und der Mist findet Verwendung als Dünger im Obstbau. Auch hier konnte man die Auswirkung der gegenwärtigen Hitze und Trockenheit sehen: ungewöhnlich früh hatte man schon mit der Apfelernte begonnen. Herr Richter machte uns auf Einstichpunkte an den Äpfeln aufmerksam: aufgrund der Trockenheit picken Vögel die Äpfel an, um Wasser zu bekommen. Diese Äpfel sind dann nur für Most zu verwenden, da der/die Verbraucher*in makellose Ware wünscht.
Die nächste Station war das Gut Krauscha in Klein Krauscha. Dieser Betrieb ist ebenfalls ein Bio-Betrieb, der neben Pflanzenproduktion einen Verarbeitungsbetrieb zur Herstellung von Konserven aufgebaut hat. Es werden die Bio-Hühner aus Görlitz zu Fertigprodukten in Gläsern ohne Zusätze von Konservierungs- oder Geschmacksstoffen verarbeitet. Diese gehen vorrangig in Naturkostläden in Dresden oder Berlin, da in unserer Region der Wert guter Lebensmittel nicht honoriert wird. Herr Mautschke zeigte uns, wie sich ökologische Bewirtschaftung auf die Vogelwelt auswirkt. Auf seinen Flächen wurde eine große Vogelvielfalt gezählt, auf den anliegenden konventionell bearbeiteten Flächen nur ein Bruchteil davon.
Die letzte Station war der Obst- und Gemüsegroßhandel Marktfrisch mbH in Rothenburg. Im Gegensatz zu den Zentrallagern der Lebensmittelketten vermarktet dieser Betrieb vorrangig Produkte aus dem Gartenbau der Region von Cottbus bis Zittau. Die Auswirkungen der Trockenheit spielen auch hier eine Rolle, da besonders die Gärtner betroffen sind. Trotz enormer Anstrengungen sind die Kulturen nicht zu retten. Herr Hackel beschrieb recht anschaulich, welche Aufgabe der Handel zwischen Produzent und Verbraucher hat. Die Anforderungen von Zertifizierungen der Betriebe werden immer höher und sind von kleinen Produzenten nicht zu erfüllen. Im Wettbewerb mit der ganzen Welt ist deshalb gerade für die Produzenten der Region ein verlässlicher Partner nötig.

Das Fazit aus diesen 2 Tagen:
Land-, Forst- und Fischereiwirtschaft leiden unter der extremen Trockenheit. Der erwartbare Ruf des Bauernverbandes nach milliardenschweren Staatshilfen aber kommt zu früh und differenziert zu wenig. Eine pauschale zusätzliche Flächenförderung als Hilfsmaßnahme wird deshalb von allen unseren Gesprächspartnern abgelehnt.