Schäfer am 12. April vor dem Landtag / Linksfraktion will Weidetierhaltung stärken und unterstützt die Forderungen  

Medienberichten zufolge wollen Schäferinnen und Schäfer heute auch vor dem Sächsischen Landtag für den Erhalt ihres Berufsstandes protestieren und Unterschriften zu einer entsprechenden Petition übergeben. Sie fordern unter anderem eine Weidetierprämie. Kathrin Kagelmann, Sprecherin der Linksfraktion für Agrarpolitik und ländliche Räume, erklärt dazu:

Ein Blick in die Statistik zeigt: Der Schafbestand ist bundesweit rückläufig. In Sachsen hat er sich in den letzten 15 Jahren mehr als halbiert. Kein Wunder: Der Lohn ist niedrig, die Vermarktung der wertvollen Produkte schwierig, der Beitrag der Schäferinnen und Schäfer zum Natur-, Arten-, Hochwasser- und Klimaschutz wird kaum honoriert. Im Freistaat wirkt sich der Rückgang der Schafbestände zudem besonders stark aus, weil schon das Bestandsniveau niedrig ist. Diese Entwicklung ist nicht neu und der viel gescholtene Wolf hat sie nicht verursacht, sondern allenfalls dafür gesorgt, dass die wirtschaftliche Schmerzgrenze manches Schäfers nun überschritten ist. Und weil die Regierungen Abhilfemaßnahmen wie die Wiedereinführung der Mutterschafprämie verschlafen haben, wird es immer schwieriger, gegenzusteuern. Denn die Schafhaltung als Kulturtechnik wird mit dem Rückzug der schafhaltenden Betriebe unbekannter, der potenzielle Nachwuchs musste sich längst anders orientieren.
Die Linksfraktion will die Schafhaltung, will Weidehaltung insgesamt als ökologische Form der Tierhaltung erhalten und stärken. Schäferinnen und Schäfern aus ganz Deutschland haben nun zehntausende Unterschriften für eine Petition gesammelt, die ich auch mitgezeichnet habe. Die geforderte Weidetierprämie ist eine gekoppelte Zahlung innerhalb der ersten Säule der Gemeinsamen Agrarpolitik der EU (GAP), wie sie in 22 EU-Staaten an Flächennutzerinnen und -nutzer pro Weidetier ausgezahlt wird. Sie könnte ab 2019 in Deutschland wieder eingeführt werden, wenn sich die Bundesregierung bis zum 1. August 2018 auf Grundlage der Direktzahlungsverordnung an die Europäische Kommission wendet. Dazu muss die Bundesregierung nun schleunigst in die Puschen kommen!
Zusätzlich müssen Instrumente wie die regionale Absatzförderung oder kooperative Vermarktungsstrukturen gestärkt werden. Auch muss es Verbesserungen in den Ausbildungsinhalten geben, ebenso in der Tierschutzgesetzgebung oder bei der De-minimis-Regelung im Fördermittelrecht. Außerdem sollte der Herdenschutz bundesweit einheitlich geregelt werden.
Von der Landesregierung erwarte ich, dass sie den Druck über den Bundesrat und die Ressortministerkonferenzen deutlich erhöht, denn Absichtserklärungen des Sächsischen Landtages und des Umweltministeriums zur Stärkung der Weidetierhaltung gibt es inzwischen zuhauf.